Wo steht Europa im Vergleich zu den Schwergewichten USA und China?
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union (EU) beträgt aktuell knapp 18 Billionen Euro und macht die Gemeinschaft nach den USA zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Dieser Wert beschreibt die Summe aller innerhalb der EU-Grenzen hergestellten Güter und Dienstleistungen. Doch wie steht es um die Zukunftsaussichten der europäischen Wirtschaft?
Dynamik im Wandel: Europa unter Zugzwang
Seit 2005 hat sich die Weltwirtschaft massiv verändert. Die EU – lange Zeit wirtschaftlich nahezu gleichauf mit den USA und klar vor China – sieht sich heute wachsendem Konkurrenzdruck ausgesetzt. Zwar liegt das nominale BIP der EU 2025 mit knapp 18 Billionen Euro weiterhin auf Platz 2 der globalen Wirtschaftsleistung. Doch die Dynamik spricht gegen Europa: Zwischen 2005 und 2024 stieg das EU-BIP (inflationsbereinigt) um gut 26 Prozent. Das erscheint solide, ist aber gering im internationalen Vergleich: Im selben Zeitraum wuchs die Wirtschaftsleistung der USA um 42 Prozent, diejenige Chinas verdreifachte sich gar. Während die USA ihre Führungsrolle behaupten, schließt China mit beeindruckender Geschwindigkeit auf. Die EU kann diesem Tempo nicht folgen.
Ursachen und Wirkungen
Die Ursachen der europäischen Wachstumsschwäche sind vielschichtig: Der demografische Wandel (alternde Bevölkerung), politische und wirtschaftliche Reformhemmnisse, geopolitische Unsicherheiten sowie eine unzureichend koordinierte Wirtschaftspolitik innerhalb der Union sind wesentliche Faktoren. Diese führen zu einer sinkenden relativen Strahlkraft und internationalen Schlagkraft der EU.
Das Pro-Kopf-BIP der EU liegt mit rund 34 Tsd. Euro zwischen den USA (ca. 61 Tsd. Euro) und China (ca. 11 Tsd. Euro). Hinsichtlich des individuellen Wohlstands besteht noch ein deutlicher Vorsprung zu China. Allerdings holt China auch beim Lebensstandard merklich auf.
Wie geht es weiter?
Der Prognos Economic Outlook® erlaubt einen Blick in die Zukunft. Auf Basis des makroökonomischen Weltwirtschaftsmodells VIEW von Prognos weist der PEO® bis 2040 weiterhin unterschiedliche Wachstumsdynamiken in den drei Regionen aus. China wächst (für seine Verhältnis moderat) inflationsbereinigt mit 3,0 Prozent p. a., die USA liegen bei 1,3 Prozent jährlichem BIP-Wachstum und die EU bei 1,0 Prozent p. a. Bis 2040 wird China die EU hinsichtlich des Volumens der Wirtschaftsleistung vom zweiten Platz verdrängt haben und nur noch knapp hinter den USA liegen.
Bevölkerungsentwicklung mit Gegensätzen
In der EU leben heute rund 449 Millionen Menschen und damit fast 30 Prozent mehr als in den USA. Dennoch sind die Wirtschaftskraft und der geopolitische Einfluss der USA merklich größer. Und auch diesbezüglich sind die Perspektiven nicht ideal. Europas Bevölkerung altert und stagniert tendenziell, während die USA bis 2040 auf knapp 370 Millionen Menschen wachsen werden. Für China wird ein demografischer Rückgang erwartet, der vor allem die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trifft. Die langfristigen Wachstumsperspektiven werden hierdurch nachhaltig gedämpft. Die USA behaupten sich mit Innovationsstärke, Bevölkerungswachstum und globaler Finanzmacht weiterhin an der Spitze. Die genannten Trends unterstreichen: Die EU muss ihr wirtschaftspolitisches Handeln stärker auf Innovation und Produktivität ausrichten, um das Potenzial der schrumpfenden Bevölkerung bestmöglich zu nutzen.
Die EU zwischen den Giganten
Die EU steht wirtschaftlich noch stark da – aber sie verliert an relativer Bedeutung. Ohne tiefgreifende Reformen, Investitionen in Zukunftstechnologien und eine stärkere wirtschaftspolitische Koordination droht sie zwischen den beiden globalen Blöcken USA und China zerrieben zu werden. Die kommenden fünfzehn Jahre werden entscheidend dafür sein, ob Europa seine Rolle als wirtschaftlicher Stabilitätsanker behaupten kann – oder ob es zum Zuschauer einer neuen Weltordnung wird.

