In Deutschland fehlen Fachkräfte. Besonders im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handwerk und in der IT ist der Bedarf groß.
Gesundheitswesen am stärksten betroffene Branche
Der Fachkräftemangel ist eine der zentralen Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt. Besonders deutlich zeigt er sich im Gesundheitswesen: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) konnten dort im Jahr 2024 rechnerisch rund 46.000 Stellen nicht mit passend qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Damit war das Gesundheitswesen die Branche mit der größten Fachkräftelücke in Deutschland. Besonders gesucht wurden unter anderem Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Pflegekräfte, und zahnmedizinische Fachangestellte.
Mangelberufe nach Anforderungsniveau
Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht jährlich eine Engpassanalyse, die die Fachkräftesituation am deutschen Arbeitsmarkt bewertet. Sie bewertet Berufe unter anderem nach Indikatoren wie der Relation zwischen Arbeitsuchenden und Stellen, der berufsspezifischen Arbeitslosenquote und der Zeit vom gewünschten Besetzungstermin bis zur Abmeldung der Arbeitsstelle beim Arbeitgeberservice.
Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht jährlich eine Fachkräfteengpassanalyse. Dafür betrachtet sie unter anderem, wie viele Arbeitsuchende auf offene Stellen kommen, wie hoch die Arbeitslosigkeit in einem Beruf ist, und wie lange Stellen unbesetzt bleiben. Insgesamt werden sechs Kennzahlen ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, in welchen Berufen Fachkräfte fehlen.
Die Engpassanalyse unterscheidet nach Anforderungsniveau: Fachkräfte (mindestens zweijährige Berufsausbildung), Spezialistinnen und Spezialisten (Meisterabschluss, Technikerausbildung, Bachelorabschluss oder vergleichbare Weiterbildung) und Expertinnen und Experten (mindestens vierjähriges Hochschulstudium).
Im Jahr 2025 wurden bundesweit 157 Engpassberufe festgestellt. Das waren sechs weniger als im Vorjahr, die Zahl blieb aber weiterhin auf hohem Niveau. Über die Hälfte der Berufe mit einem Engpass waren Berufe auf Fachkräfteebene.
Fachkräftemangel durch demografischen Wandel
Ein wichtiger Auslöser für den Fachkräftemangel ist der demografische Wandel: Viele Erwerbstätige aus geburtenstarken Jahrgängen gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig rücken weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt nach. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (zwischen 20 und 66 Jahren) deutlich sinken. Es wird davon ausgegangen, dass es die Zahl der Menschen im Erwerbsalter selbst bei hoher Nettozuwanderung bis 2035 um 3,2 Millionen Personen sinkt.
Der Anteil älterer Erwerbspersonen im Alter von 55 und mehr Jahren steigt. 2024 waren rund 27 Prozent der Erwerbspersonen 55 Jahre alt oder älter.
Durch die alternde Bevölkerung steigt außerdem der Bedarf an Pflegepersonal. Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass der Bedarf an Pflegekräften innerhalb von 30 Jahren um ein Drittel steigen wird: Wurden im Jahr 2019 noch 1,62 Millionen Pflegekräfte benötigt, werden es im Jahr 2049 rund 2,15 Millionen sein. Das entspricht einem Zuwachs von etwa einem Drittel. Besonders stark wächst der Bedarf in ambulanten Pflege- und Betreuungsdiensten und in Pflege-, Alten- und Behindertenheimen.
Zuwanderung als Teil der Lösung
Um den Fachkräftemangel zu mildern, ist Deutschland auf die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Hochqualifizierten Fachkräften soll die Blaue Karte EU (Blue Card) einen einfachen Zuzug aus Drittstaaten erleichtern. Sie wurde 2012 EU-weit eingeführt und richtet sich an Personen mit Hochschulabschluss und einem konkreten, der Qualifikation entsprechenden, Arbeitsplatzangebot.
Ende 2023 verfügten 113.000 Personen in Deutschland über eine Blue Card.
Im Jahr 2023 wurde über ein Viertel der Blue Cards an indische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger erteilt. Etwa 12 Prozent gingen an russische Arbeitskräfte, und 8 Prozent an Arbeitskräfte aus der Türkei.
Weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge
Die Entwicklung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zeigt, dass sich der Ausbildungsmarkt seit der Corona-Pandemie kaum erholt hat. Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2020 stieg die Zahl der Neuabschlüsse nur leicht an. Im Jahr 2025 wurden rund 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Damit lag die Zahl der Neuabschlüsse weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie.
Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt
Im Jahr 2025 konnten in Deutschland rund 54.000 betriebliche Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Viele Betriebe suchen also Auszubildende, finden aber keine passenden Bewerberinnen und Bewerber.
Auch der Vergleich von Angebot und Nachfrage zeigt die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Im Jahr 2024 lag das Angebot an Ausbildungsstellen laut Bundesagentur für Arbeit bei rund 519.000 Plätzen. Die Nachfrage nach Ausbildung lag hingegen bei rund 432.000 Personen.
Teilzeitanteil in vielen Mangelberufen überdurchschnittlich
Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel wird häufig diskutiert, ob durch eine Ausweitung der Arbeitszeit zusätzliche Arbeitskräftepotenziale erschlossen werden können. Im Jahr 2024 lag der Teilzeitanteil für die meisten Mangelberufe für nichtakademische Fachkräfte stark unter dem Durchschnitt. Eine Ausnahme bilden Gesundheits- und Altenpflege. Dort arbeiteten 39 bzw. 42 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit. Der durchschnittliche Teilzeitanteil aller Erwerbstätigten lag bei 30 Prozent.
Der hohe Teilzeitanteil dürfte unter anderem mit der Beschäftigungsstruktur zusammenhängen: In Pflegeberufen arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen, und Frauen sind in Deutschland häufiger teilzeitbeschäftigt als Männer. Im Jahr 2024 lag die die Teilzeitquote erwerbstätiger Frauen bei 49 Prozent, bei Männern dagegen bei 12 Prozent. Das liegt zum Teil an familiären Verpflichtungen wie etwa der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. Gründe dafür sind häufig familiäre Verpflichtungen wie Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Hinzu kommt, dass die körperliche und psychische Belastung in Pflegeberufen hoch ist, was eine Ausweitung der Arbeitszeit zusätzlich erschweren kann.
Fachkräftemangel bedeutet, dass offene Stellen nicht oder nur schwer mit passend qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden können. Besonders betroffen sind Berufe, für die eine abgeschlossene Ausbildung, eine Weiterbildung oder ein Hochschulabschluss erforderlich ist.
Besonders stark betroffen sind das Gesundheitswesen, die Pflege, medizinische Berufe, Bau- und Handwerksberufe sowie Teile der IT-Branche. Auch in der Kinderbetreuung, im Berufskraftverkehr und in der Gastronomie gibt es Engpässe.
Im Gesundheitswesen treffen mehrere Faktoren zusammen: Die Bevölkerung wird älter, dadurch steigt der Bedarf an medizinischer Versorgung und Pflege. Gleichzeitig gehen viele Beschäftigte in den kommenden Jahren in den Ruhestand, während nicht genügend neue Fachkräfte nachrücken.
Engpassberufe sind Berufe, in denen es besonders schwierig ist, offene Stellen zu besetzen. Die Bundesagentur für Arbeit bewertet dies anhand verschiedener Indikatoren, zum Beispiel der Zahl der Arbeitsuchenden im Verhältnis zu offenen Stellen, der Arbeitslosenquote und der Dauer, bis Stellen besetzt werden.
Qualifizierte Zuwanderung kann helfen, offene Stellen zu besetzen und den Rückgang der Erwerbsbevölkerung abzumildern. Besonders wichtig ist sie in Berufen, in denen in Deutschland nicht genügend Fachkräfte ausgebildet werden oder in denen der Bedarf stark wächst.
Die Blaue Karte EU ist ein Aufenthaltstitel für hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Sie erleichtert Menschen mit Hochschulabschluss und einem passenden Arbeitsplatzangebot den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt.
Gegen den Fachkräftemangel gibt es mehrere Ansätze: mehr Ausbildung, bessere Arbeitsbedingungen, gezielte Weiterbildung, eine höhere Erwerbsbeteiligung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie qualifizierte Zuwanderung.
In vielen Bereichen ist davon auszugehen, dass der Fachkräftemangel auch in den kommenden Jahren ein zentrales Problem bleibt. Vor allem der demografische Wandel, der steigende Pflegebedarf und der Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge erhöhen den Druck auf den Arbeitsmarkt.
Bundesagentur für Arbeit: https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Fachkraeftebedarf/Engpassanalyse-Nav.html
Bundesagentur für Migration und Flüchtlinge: https://www.bamf.de/DE/Themen/Statistik/BlaueKarteEU/blauekarteeu-node.html
Bundesinstitut für Berufsbildung: https://www.bibb.de/de/1563.php
Bundesinstitut für Berufsbildung: https://www.bibb.de/de/211115.php
Bundesministerium des Innern: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/migration/zuwanderung/arbeitsmigration/arbeitsmigration-node.html
Bundesagentur für Arbeit: https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=27096&topic_f=fachkraefte-engpassanalyse
Deutsches Institut für Wirtschaft: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2025/IW-Report_2025-Fachkr%C3%A4fteengp%C3%A4sse-nach-Wirtschaftszweigen.pdf
Institut der Deutschen Wirtschaft https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2025/IW-Report_2025-Fachkr%C3%A4fteengp%C3%A4sse-nach-Wirtschaftszweigen.pdf
Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/Demografie/_inhalt.html
Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/Erwerbstaetigkeit/_inhalt.html
Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/Zuwanderung/_inhalt.html
