Gute Farbpaletten in 23°
Best Practices für Medien, Behörden und Berater:innen – CI-sicher, barrierearm, embed-tauglich.

Farben sind in Datenvisualisierungen nie „Deko“. Sie steuern Aufmerksamkeit, erzeugen Bedeutung – und können (im schlechtesten Fall) Inhalte verfälschen oder unlesbar machen. Eine gute Farbpalette sorgt dafür, dass eure Charts in 23° schnell verständlich sind, auf Websites sauber wirken, auch als Bildexport funktionieren und im Team konsistent bleiben.
Der folgende Leitfaden ist bewusst praktisch: erst die Anforderungen, dann schnelle Wege zu einer funktionierenden Palette, dann ein Rezept, wie ihr eure CI in 23° als Template-Palette operationalisiert.

- sich klar vom Hintergrund abheben (Kontrast). Pastellgelb auf Weiß ist z. B. oft schlicht nicht lesbar – und bei barrierearmen Anwendungen sind Kontrastvorgaben relevant.
- untereinander unterscheidbar sein – auch bei kleinen Linien, Punkten oder Legenden. Sehr ähnliche Dunkeltöne (z. B. dunkles Blau vs. dunkles Violett) gehen schnell „ineinander über“.
- auch für Menschen mit Farbsehschwächen funktionieren (klassisch: Rot/Grün mit ähnlicher Helligkeit vermeiden).
- unterschiedliche Helligkeiten besitzen, damit es im Zweifel sogar in Graustufen noch unterscheidbar bleibt (wichtig bei Druck/PDF und generell als Robustheitscheck).
- die richtigen Assoziationen auslösen (oder bewusst keine). Knallrot schreit „Gefahr“, Grasgrün wirkt schnell „gut“ – das kann in neutralen Kontexten (z. B. Behörden) stören.
In 23° habt ihr einen Vorteil, den viele Teams unterschätzen: Templates sind nicht nur Layout-Vorlagen, sondern euer Hebel für CI-Sicherheit und Wiederholbarkeit.
Best Practice-Workflow (15 Minuten):
- Erstellt ein Basis-Template („23° Standard – Charts“) mit:
- euren Standardfarben (Kategorien)
- 1–2 Akzentfarben (zum Hervorheben)
- neutralen Grautönen (Achsen, Labels, Gridlines)
- Teilt dieses Template mit allen, die Visualisierungen erstellen. So sehen Grafiken konsistent aus – egal wer sie baut.
- Nutzt ein zweites Template („23° Standard – Karten“), weil Karten oft andere Skalen brauchen.
Das reduziert Diskussionen („Welche Farbe nehmen wir diesmal?“) und macht eure Produktion planbar – ideal für Redaktionen, Behörden-Teams und Beratungsprojekte.
Ihr müsst nicht bei Null starten. Drei Wege sind besonders effizient:
A) Nehmt eine bewährte Tool-Palette als Ausgangspunkt
Viele Visualisierungstools starten bewusst mit gut funktionierenden Standardfarben (häufig Blau als „sicherer“ Start, u. a. wegen Kontrast und guter Kombinierbarkeit).
Übertragt die Logik auf 23°: „Was funktioniert als Default für 80% unserer Charts?“
B) Nutzt etablierte Data-Vis-Paletten (gerade für Karten)
Für Karten/Skalen sind Paletten-Sammlungen wie ColorBrewer nützlich, weil sie zwischen sequenziell (niedrig→hoch), divergierend (Mitte + Extreme) und qualitativ (Kategorien) unterscheiden.
C) „Stehlt wie ein Profi“ – aus guten Visualisierungen (mit Respekt)
Wenn ihr eine Visualisierung seht, deren Farben in eurem Kontext funktionieren: speichert sie als Referenz und nutzt sie als Inspiration. Der Punkt ist nicht 1:1 kopieren, sondern ein stimmiges „Farbgefühl“ für eure Marke/Story zu entwickeln.
Schritt 1: Definiert zuerst „Nicht-Datenfarben“
Legt fest:
- Hintergrund (meist Weiß oder sehr helles Grau)
- Text/Labels (dunkles Grau statt „reines Schwarz“, wenn ihr eine weichere Anmutung wollt)
- Gridlines (sehr hell, damit sie nicht dominieren)
- Wählt 6–8 Farben, die sich klar unterscheiden.
- Achtet darauf, dass keine Farbe „lauter“ wirkt als die anderen, außer ihr wollt bewusst eine Kategorie hervorheben.
- Sequenziell: eine Farbe in mehreren Helligkeiten (hell→dunkel) für „wenig→viel“
Damit verhindert ihr, dass eure Datenfarben gegen Achsen, Linien und Layout „kämpfen“.
Schritt 2: Baut eine kleine Kategorienpalette (6–8 Farben)
Für Kategorien gilt: Unterscheidbarkeit schlägt Vielfalt.
Pro-Tipp: Viele Paletten scheitern daran, dass sie für Linien/Punkte gedacht sind, aber bei großen Flächen (Balken, Kartenflächen) zu grell werden.
Schritt 3: Ergänzt 1 Akzentfarbe (für „die Aussage“)
Definiert eine Farbe, die ihr nur für Highlights nutzt (z. B. Fokus-Linie, „wichtigster Balken“, Callout). So wirkt Storytelling sofort klarer.
Schritt 4: Ergänzt Skalen für Zahlen (für Karten/Heatmaps)
Divergierend: zwei Farbrichtungen mit einer neutralen Mitte (z. B. unter/über Referenz)
Schritt 5: Achtet auf Bedeutung/Assoziation
Fragt euch: „Wenn jemand die Farben ohne Legende sieht – was fühlt er?“ In neutralen Kontexten lieber weniger „Alarmfarben“, mehr kontrollierte, gemischte Töne.
Check 1: Kontrast (für Lesbarkeit & Barrierearmut)
Für Text gibt es etablierte Richtwerte (z. B. 4.5:1 für normale Schrift bei WCAG AA).
Für Behörden ist das besonders wichtig, weil Barrierefreiheit oft regulatorisch mitgedacht werden muss (z. B. im Kontext von BITV/EN 301 549).
Check 2: Farbsehschwächen & „zu ähnlich“
Testet, ob Farben sich auch bei verschiedenen Formen von Farbsehschwäche unterscheiden lassen. Tools wie Viz Palette sind genau für solche Checks gemacht.
Check 3: Export-/Embed-Realität
In 23° könnt ihr interaktiv einbetten (Embed/Iframe) und statisch als Bild exportieren. Nutzt das als Qualitätssicherung:
- Sieht die Grafik im Embed auf hellem Website-Hintergrund gut aus?
- Bleibt sie als statischer Export (z. B. für PDF/Presse) lesbar?
Empfohlenes Setup:
- Template „Standard Charts“ (Kategorien + Akzent + Neutralfarben)
- Template „Standard Maps/Skalen“ (sequentiell/divergierend)
- Benennungsregeln:
- Sharing & Rechte:
- „Akzent“ heißt immer Akzent
- „Neutral 1/2/3“ für Grautöne
- „Kategorie 1–8“ (damit Teams gleich sprechen können)
- Templates an alle Creator:innen
Grafiken im Review teilen, Mitbearbeitungsrechte gezielt vergeben (Owner/Editor/Reviewer)
So bleibt die CI stabil, auch wenn viele Personen beitragen – und eure Grafiken sind schnell „publish-ready“.

Medien:
- wenige, klare Farben; Akzentfarbe für „die Schlagzeile“
- hoher Kontrast (auch mobil)
- Embed zuerst testen, Bildexport als Backup
- Kontrast & Barrierearmut priorisieren
- neutrale Farbsemantik (keine „Ampel“ ohne Begründung)
- Standard-Templates verpflichtend nutzen
- Template-Bibliothek je Kunde/CI
- konsistente Akzentlogik (Highlight = immer gleich)
- schnelle Reproduzierbarkeit über Projekte hinweg
Behörden:
Berater:innen:
- Farben heben sich klar vom Hintergrund ab
- Kategorien sind auch in kleinen Elementen unterscheidbar
- Rot/Grün-Konflikte vermieden, farbsehschwäche-tauglich getestet
- Akzentfarbe nur für Highlights reserviert
- Skalen (sequenziell/divergierend) passend zum Datentyp gewählt
- Embed und Bildexport geprüft (Real-World-Output)